Die feinen Kratzer, die Sie bei Sonnenlicht auf der Motorhaube sehen, stammen in den seltensten Fällen von der Straße. Sie entstehen beim Waschen, und sie werden mit jeder Wäsche ein Stück mehr.
Wie Waschkratzer entstehen
Auf einem gefahrenen Auto sitzt Sand, Bremsstaub und Straßenschmutz. Die Vorwäsche löst einen Teil davon, der Rest bleibt haften. Sobald der Waschhandschuh über den Lack fährt, nimmt er diese Partikel auf und sie setzen sich zwischen den Fasern fest.
Von da an schleift der Handschuh. Harte Partikel, angedrückt, über eine vergleichsweise weiche Klarlackschicht gezogen. Was dabei entsteht, sind Swirls – die kreisförmigen Kratzer, die den Lack im Licht stumpf und milchig wirken lassen.
Was die Zwei-Eimer-Methode leistet, und wo sie aufhört
Die verbreitete Antwort darauf ist die Zwei-Eimer-Methode: ein Eimer mit Shampoowasser, ein zweiter mit klarem Wasser. Nach jedem Abschnitt wird der Handschuh im klaren Wasser gereinigt, bevor er zurück ins Shampoo geht.
Das ist deutlich besser als ein einzelner Eimer und zu Recht Standard. Nur entfernt Ausspülen einen Teil der Partikel, nicht alle. Was tief in den Fasern sitzt, bleibt dort – und Sie arbeiten mit demselben Handschuh weiter, zwölf oder fünfzehn Bauteile lang.
Wie wir es machen
Bei uns steht ein Eimer mit Shampoowasser, in dem über zehn Waschhandschuhe liegen. Ein Handschuh wäscht genau zwei Bauteile: eine Seite für den Kotflügel, gewendet die zweite Seite für die Tür. Danach kommt er weg und wird an diesem Fahrzeug nicht wieder eingesetzt. Nach der Wäsche gehen alle Handschuhe zusammen in die Maschine.
Gearbeitet wird von oben nach unten – Dach und obere Flächen zuerst, Schweller zuletzt, weil der Schmutz dort am gröbsten ist. Felgen und Bremssättel bekommen grundsätzlich eigene Handschuhe. Bremsstaub ist metallisch und scharfkantig; was dort aufgenommen wird, hat auf Klarlack nichts zu suchen.
Zehn Handschuhe ergeben zwanzig frische Flächen. Ein normaler Pkw hat rund ein Dutzend Bauteile. Wir rechnen also nicht knapp, sondern haben Reserve – und deshalb muss keine Fläche ein zweites Mal auf den Lack.
Der Grund für die Umstellung war schlicht der: Wir wollten das Kratzerrisiko so gering wie möglich halten. Wenn ohnehin jeder Waschvorgang das größte Risiko für den Lack darstellt, ist das die Stelle, an der sich der Aufwand lohnt.
Nebenbei geht es dadurch sogar schneller. Das Ausspülen zwischen den Abschnitten fällt weg, man greift einfach den nächsten Handschuh.
Was das für Ihr Fahrzeug bedeutet
Klarlack lässt sich nicht nachfüllen. Jede Politur trägt eine hauchdünne Schicht ab, um Kratzer zu entfernen, und irgendwann ist nichts mehr da, was sich abtragen ließe. Eine Lackkorrektur ist deshalb nichts, was man beliebig oft wiederholen kann.
Je weniger Kratzer beim Waschen entstehen, desto seltener muss poliert werden – und desto länger behält der Lack seine Substanz. Darum geht es letztlich: nicht um das Ergebnis eines einzelnen Waschtags, sondern um den Zustand des Lacks in fünf Jahren. So arbeiten wir bei jeder Fahrzeugaufbereitung.
Was Sie selbst tun können
Wenn Sie zu Hause waschen, brauchen Sie nicht gleich zehn Handschuhe. Schon drei oder vier verändern das Ergebnis spürbar: einer für Dach und Scheiben, einer für die oberen Flächen, einer für die unteren Partien, einer für die Schweller. Von oben nach unten, und Felgen niemals mit demselben Handschuh wie den Lack.
Falls Sie zu einem der Punkte etwas genauer wissen möchten – welche Handschuhe sich eignen, welches Shampoo, oder wie Sie bei einem bestimmten Lack vorgehen: Schreiben Sie mir einfach an info@neowash.de oder rufen Sie an unter 0151 56227798. Ich beantworte das gern, auch wenn daraus kein Auftrag wird.
Sie haben Fragen zum Thema? Melden Sie sich gern.
Philipp Helbig